Warum ich Hunde zeichne
Von Wiebke Aschemann
Von Blicken, schiefen Ohren und Persönlichkeiten, die man nicht erfinden kann.
Eigentlich fing alles ganz unspektakulär an. Ich wollte das digitale Zeichenprogramm Procreate lernen und nahm mir vor, zur Übung jeden Tag einen Hund zu zeichnen.
Hunde deshalb, weil ich sie liebe. Und weil sie für mich super interessante Models sind.
Ich stellte die Zeichnungen auf Instagram, zeichnete immer weiter und entdeckte dabei etwas, mit dem ich anfangs gar nicht gerechnet hatte: Je mehr Hunde ich zeichnete, desto weniger interessierte mich das perfekte Hundeporträt.
Mich interessierte vielmehr, die Persönlichkeiten der Hunde herauszuarbeiten und etwas von ihrem Wesen sichtbar zu machen.
Ein Gesicht ist nicht einfach ein Gesicht
Viele meiner Motive entdecke ich auf Instagram. Manche sehe ich einmal und weiß sofort: Den muss ich zeichnen. Andere begegnen mir immer wieder und werden irgendwann zu richtigen hund.rum Stamm-Models.
Da ist Bowie, der Whippet, der vor der Kamera ganz natürlich und cool bleibt, egal welche Mütze ihm aufgesetzt wird. Tomas, das Italienische Windspiel, der mit unendlicher Geduld die modischen Ideen seines Menschen mitmacht. Oder Miss Dusty Monkey, eine kleine Chihuahua-Dame mit senkrecht hochstehenden Härchen auf dem Kopf, die ihr Fraumensch zärtlich „Antennas of Love“ nennt.
Es sind Blicke, Bewegungen oder kleine Besonderheiten, die mich zum Zeichnen inspirieren. Ein schiefes Ohr. Zerzaustes Fell. Eine herausgestreckte Zunge. Die Art, wie ein Hund in die Ferne schaut oder mit geschlossenen Augen den Wind genießt. Diese kleinen Momente fesseln mich viel mehr als die perfekte Pose.
Persönlichkeit statt Perfektion
Hunde sind immer vollkommen sie selbst und im Hier und Jetzt. Etwas, das uns Menschen nur nach vielen Jahren Meditationsübungen gelingt.
Sie überlegen nicht, ob sie gerade vorteilhaft aussehen. Ein Windhund kann von einer Sekunde auf die andere von majestätisch zu vollkommen albern wechseln. Ein Chihuahua kann mit drei abstehenden Haaren oder schief heraushängender Zunge mehr Persönlichkeit haben als jedes sorgfältig arrangierte Porträt.
Genau das versuche ich in meinen Hundezeichnungen auszudrücken. Ich möchte einen Hund nicht schöner, niedlicher oder dekorativer machen. Mich interessiert das, was ihn unverwechselbar macht.
Manchmal entsteht daraus eine sehr reduzierte Zeichnung. Manchmal bleiben wilde Linien stehen. Manchmal reichen ein paar Farben und viel freie Fläche.
Nicht jeder Strich muss perfekt sein. Er muss zum Hund passen.
Mich fasziniert, wie unterschiedlich ein und derselbe Hund aussehen kann.
Eine Persönlichkeit passt nicht in ein einziges Porträt.
Und manchmal wird es persönlich
Nicht alle Hunde kenne ich nur von Bildern.
Nelle war 14 Jahre lang Teil unserer Familie und unseres Lebens. Sie war klug, anhänglich, feinfühlig und ziemlich lustig. Sie beobachtete uns so genau, dass sie sich irgendwann selbst beibrachte, Türen zu öffnen. Einfach, weil sie gesehen hatte, wie wir es machten. Sie imitierte sogar unser Lächeln. Auch sie habe ich gezeichnet.
Wenn ich diese Zeichnungen heute anschaue, sehe ich natürlich mehr als Linien und Farben. Ich sehe unsere Nelle.
Und vielleicht ist das die schönste Eigenschaft eines Hundeporträts: Es kann einen winzigen Moment bewahren, der längst vergangen ist, und trotzdem sofort wieder etwas auslösen.
Aus Zeichnungen werden Lieblingsstücke
hund.rum war ursprünglich gar nicht als Shop geplant. Erst mit der Zeit entstand die Idee, einige meiner Hundezeichnungen aus der digitalen Welt herauszuholen. Heute gibt es ausgewählte Motive als Kunstdrucke, auf T-Shirts und auf Taschen.
Dabei ist mir wichtig, dass die Produkte den Zeichnungen Raum lassen. Auch wichtig sind mir gute Materialien, faire und nachhaltige Produktion und ein plastikfreier Versand.
Im Mittelpunkt steht immer der Hund. Mit seinem Blick. Seinen schiefen Ohren. Seiner Würde. Seinem Quatsch. Und mit all den kleinen Eigenheiten, die wir an unseren Hunden so sehr lieben.
Warum ich also Hunde zeichne?
Vielleicht, weil sie mich immer wieder überraschen. Weil sie schön sind, ohne es zu wissen. Komisch, ohne einen Witz zu machen. Elegant und fünf Sekunden später total albern. Und weil es in jedem Hundegesicht etwas zu entdecken gibt, das man einfach nicht erfinden kann:
Persönlichkeit.